Oct 21, 2010

Track-List

Die Tracklist für den Kulturstream auf Internetradio.de vom 21. Oktober 2010

Driving The Last Spike, Genesis, We Can’t Dance

Ghost Train, Marc Cohn, Nighthawk 2

Downtown Train, Tom Waits, Rain Dogs

Night Train, James Brown, Too Funky

Lonesome Train, J.J. Cale, The Universal Masters Collection: Classic J.J. Cale

Go Betweens _ Here comes the city _new single for release April 2005, Go Betweens

Golden Gate Gospel Train, The Golden Gate Quartet, Amazing Grace - The Greatest Gospel Singers

This Train, Sister Rosetta Tharpe

Last Steam Train, Leo Kottke, The Best

The Theme from “Dead Man”, Neil Young

Sep 23, 2010

Playliste für den Kulturstream am 23.09.10

Die Angaben zeigen jeweils Tracknummer, Titel, Interpret, CD/Schallplatte und Dauer.

01 
Aber Der Nowak Lässt Mich Nicht Verkommen
Cissy Kraner & Hugo Wiener
Die Welt der Cissy Kraner 3:53

02 
Commentari III
Dorothee Oberlinger, Dorothée Hahne
Musik Aus Mittelalter & Gegenwart 5:54

03 
Ich geh so gern ins Witwencafe
Cissy Kraner
Das Ist Eine Köstliche Zeit 6:01

04 
Classical Rag
Brett McAllister
Ragtime 3:32

05 
Der Halbwilde
Helmut Qualtinger
Die Qualtinger Songs 3:00

06 
3 Klänge
Haindling
Schrilles Potpourri - Das Beste ohne Worte 1:42

07 
Bundesbahnblues 
Helmut Qualtinger & Kurt Werner 
Helmut Qualtinger - Sämtliche Kabarett - Aufnahmen 3:21

08

Mütterlein
Georg Kreisler
Georg Kreisler - Everblacks 4:58

09 
Tauben vergiften
Georg Kreisler
Die Alten Bösen Lieder 2:29

10 
Barbara
Georg Kreisler & Bill Grah und seine Solisten
Seltsame Liebeslieder 2:20

11 
Opus 19
David Qualey
Only Guitar 2:56

12 
Valse, Op. 69/2
Olga Scheps
Chopin 3:22

13 
Music from the Towers of the Moon: I
The Balanescu Quartet
Balanescu Quartet: Byrne, Moran, Lurie & Torke 2:41

(hw)

Sep 9, 2010

Aus dem Archiv: Helmut Qualtingers Eintritt in die Wiener Nachkriegskultur 1945

Qualtinger, der - wie man weiß - mit Alfred Hrdlicka gegen Kriegsende als Statist in der Wiener Oper agierte, war nach dem Krieg in Wien als Schauspieler und Autor in Kleinkunstbühnen tätig und trat 1949 mit seinem Stück „Jugend vor den Schranken“ in Graz an die Öffentlichkeit. Im selben Jahr übersetzt er für das Theater in der Josefstadt das Stück „Die Spitzen der Gesellschaft” des Engländers William Douglas Home. 1950 scheint er offensichtlich erstmals mit einer seiner „Aktionen“ die Aufmerksamkeit auf sich gerichtet zu haben. Es war ein goldenes „U“, das sich vom Firmenschild eines Pelzhauses am Kohlmarkt löste und nun auf der Strasse lag. Vom Qualtinger verpackt und ans Unterrichtsministerium geschickt, war dem Brief des „Aktionskomitees gegen Schmutz und Schund“ zu entnehmen, dass diese „U“ die Sittlichkeit arg bedrohe, weil es in einigen lasziven Worten vorkomme. Qualtinger war einschlägig schon so bekannt, dass die Kriminalpolizei sofort bei ihm auftauchte und sein „Geständnis“ entgegen nahm. Ein Jahr später gelang ihm der legendäre „Grubenhund“ mit den Zeitungen Kurier und Weltpresse, denen er die Ankunft des Eskimodichters Kobuk in Wien avisierte. Er sei Vertreter der „arktischen Mystik“ und bekannt wegen seiner unsterblichen Grönlandtrilogie „Song of the Iceman“, die nun Metro-Goldwyn-Mayer verfilmen wird. Und so berichtete die Arbeiter Zeitung am 7.7.1951 von seiner Ankunft und seinen Werken, wie den Schlittenhunderoman „Heia Musch Musch“, „Nordlicht über Ivikut“  und seinen Stücken „Einsames Iglu“ und „Republik der Pinguine“. Nicht einmal der Hinweis, das der Autor sich bemühen wird, die Wiener Eisrevue zu einer Grönlandtournee zu bringen, ließ die Redakteure stutzen. Und wieder ein Jahr später war dann der Qualtinger „Der Qualtinger“, mit dem „G´schupften Ferdl“ und seinem Auftritt im „Brettl vorm Kopf“ schuf er mit seiner Interpretation Klassiker und Standards der Wiener Kabarettgeschichte. 

Dreißig Jahre später stand er mit anderen Schauspielern und Musikern (Schmetterlinge) auf der Bühne des Audi Max der Universität Wien und wirkte bei der vom Kommunistischen Kulturkreis und dem Kommunistischen Studentenverband organisierten Gedenkveranstaltung für den Kommunisten Jura Soyfer mit. Es war der Beginn einer großen Renaissance dieses Dichters in Österreich. 
Wie das im Jahr 1945 alles, im gerade von der Roten Armee befreiten Wien, begonnen hat, bezeugen die Dokumente, die unlängst im Archiv der Alfred Klahr Gesellschaft gefunden wurden.

Willi Weinert

Dok.1

Wien, am 2. Mai [19]45.

Kommunistische Partei Österreichs
Bezirksstelle Wien 8.,
Langegasse No. 53.
Abteilung: Information und Kultur.
An das ZK
zu Handen Genossin Melber
Wien VII. Schottenfeldg. 34/2

Liebe Genossin!

Ein 17 jähr. Jüngling namens QUALFINGER oder QUALTINGER läuft mit dem Sowjetstern auf der Brust herum und gibt sich für einen russischen Zivilkommissar aus und behauptet, in dieser Eigenschaft ermächtigt zu sein, eine links gerichtete Theatergründung auf die Beine zu bringen. Er wirbt nicht nur unter den jungen Schauspielern sondern sucht Grössen des Burgtheaters, um, wie er sagt, mit ihnen Kontrakte zu schliessen. Er interessiert uns deshalb vor allen Dingen, weil wir selbst ein Volkstheater mit besonderer Berücksichtigung der Jugend aufzustellen im Begriffe sind und besagter Jüngling Unruhe in die Kreise unserer Interessenten bringt. Er ist mir überdies dadurch bekannt, dass er wegen Talentlosigkeit und höchst auffälligem Benehmens bei der vorjährigen Prüfung unseres Reinhardt-Seminars, der früheren Schauspielschule des Burgtheaters, die jetzt provisorisch von mir geleitet wird, gänzlich durchgefallen ist. Ich bitte uns über diesen jungen Mann zu informieren.

Rotfront!
Gez. K.P.Ö. XVIII.
Heribert Kuchenbuch

Dok.2

Wien, am 5. Mai [19]45

Kom.Part. Österreich
Stadtleitung Wien
7., Schottenfeldg. 34
Agit.-Prop. Abt. M.K.

An die
K.P.Ö. Bez.Stelle
Wien 8.,
Langeg. 53
zu Hand. Gen. Kuchenbuch

Betrifft: Fall Qualfinger
Bezug: Schreiben v. 2. Mai 45.

Ich bitte sofort den genauen Namen und die Adresse des sich als russischer Zivilkommissar ausgebenden Qualfingers in Erfahrung zu bringen und anher weiter zu geben.

Gez.
Melber.

Dok. 3

Wien, 8. Mai 45

Komm. Partei
Österreichs
Bezirksstelle Wien VIII.
Langegasse 53.
L./B.
Information und Kultur

An die K.P.Oe. Stadtleitung Wien, Abt. Agit.Prop. Wien VII.

Liebe Genossin Melber!

Zu Deinem Brief  vom 5. d.M. betreffend den Fall Quallfinger teile ich Dir im Auftrage von Gen. Kuchenbuch mit:
Der junge Mann soll Hellmuth QUALLTINGER heissen und hat erzählt, dass er zuerst im Hochhaus wohnt und jetzt eine Villa in Währing beschlagnahmt hat. Er scheint von irgend einer unserer Bezirksstellen irgendwie legitimiert zu sein.

Rotfront!
Gez. Bener

Dok. 4

Wien, 10. Mai 45

Kommun. Partei Österreichs
Stadtleitung Wien
Wien VII. Schottenfeldg. 34
Agit-Schulung-Presse
M./Ko.

Rundschreiben an alle Bezirke!

Ich bitte sofort in allen Bezirksstellen und Sektionen nachzuforschen ob ein Mann namens Helmuth Qualltinger oder Qualtinger registriert ist, gegebenenfalls seine Wohnadresse bekanntzugeben und anzuführen, welche Belege ihm seitens der KP ausgestellt worden sind.

gez.
Melber

Dok. 5

Kommunistische Partei Österreichs
Bezirksleitung Hernals.
Wien XVII. Parhamer-Platz 19.

An die
Wiener-Stadtleitung
Abt.: Agit-Schul.-Presse
Wien IX., Wasagasse 10.

Wien, am 18. Mai 1945

Zeichen Gr/Gr.
Nachricht v. 10.5.45

Betrifft: Rundschreiben Fall Qualtinger

Die Gebietsleitung „Schumann“ Wien XVII. Schumanng. 73 gibt uns bekannt: Ein Mann namens Helmuth Qualtinger ist uns bekannt. Er war zuletzt in Wien XVIII. Starkfriedgasse 25 wohnhaft. Belege wurden ihm von uns keine ausgestellt.

Gez. Vorsitzender der K.P.Ö.
Grusch.

Dok. 6

Wien, 25. Mai 45

Kommunistische Partei Österreichs L./B.
Bezirksstelle Wien 8.,
Langegasse 53.
Agit-Schulg.-Presse.

Betrifft: Qualtinger

An die K.P.Ö.
Stadtleitung Wien
Abt. Agit.-Schul.-Presse

Liebe Genossin Melber!

Gestern Nachmittag war ich bei der Vorstandssitzung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, die in den Räumen des Verlages „Universal-Edition“ stattfand. Plötzlich läutet es, der Leiter des Verlages, Gen. Schlee, wird hinausgerufen und erzählt bei seiner Rückkehr, dass gerade ein junger Mann namens Qualtinger bei ihm gewesen sei, um Material aus dem Verlag für das von ihm zu gründende kommunistische Theater zu holen. Ich konnte den Genannten noch erreichen und habe ihn gefragt, wieso er zu einer derartigen Tätigkeit legitimiert sei, etc.
Er gab an:
Er gehöre der Bezirksleitung XVII. Bezirk, Bez.Leiter Grusch an, sei in der Unterbezirksleitung Schumann, Unt.Bez.Leiter Holly eingetreten. Er habe die Schauspielschule Niederführ in Schönbrunn absolviert und dort die Abschlussprüfung der Reichstheaterkammer bei Volters abgelegt. (Gen. Prof. Kuchenbuch hat schon berichtet, dass er nicht einmal die Aufnahmeprüfung bestanden hat.) Sein Freund sei ein gewisser Hofrichter, XVIII. Währingerstrasse 147, der ihn mit der kommissarischen Leitung eines Theaters und Kabaretts der KP betraue. Hofrichter sei ebenfalls KP. Dann wies er die Beilage vor, aus welcher er entnommen haben will, dass Bürgermeister Steinhardt ihn am 2. Mai 45 Ermächtigungen erteile. Zu bemerken ist, dass die ganze Geschichte auf der Beilage unorthographisch geschrieben ist, festzustellen ist, wer der i.V. ist, der für Gen. Steinhardt unterschrieben hat. Weiters ist festzuhalten, dass dort anstatt Gen. „PG.“ steht.
Gemeinsam mit Gen. Schlee, Wildgans und Ratz hielt ich ihm vor, dass Gen. Fischer uns anlässlich eines Gesprächs ausdrücklich erklärt habe, dass er kein ausgesprochenes Kommunistisches Theater wünsche, worauf der gute Qualtinger nicht wusste, wer Gen. Fischer ist und wieso der dazu komme, solche bestimmte Ansichten auszusprechen, wenn Steinhardt ihm eine Ermächtigung erteile. Weiters wusste er nicht, dass die Stadtleitung  und das ZK die gleiche Stelle ist und hatte auch keine Ahnung davon, dass ihr in die Wasagasse übersiedelt seid.
Von dem Rundschreiben gegen ihn hatte er schon durch den Unterbezirksleiter Holly Kenntnis, der ihm geraten haben soll, sich zu verstecken, da gegen ich etwas im Gange sei.
Er trägt eine rote Armbinde, auf die mit gelben Faden in russischer Sprache und Schrift „Theater-Kommissar“ eingestickt ist. Außerdem ist noch irgendetwas in kleinen Buchstaben darauf gestickt, was nicht zu lesen war.
Seine Bevollmächtigung soll angeblich von Gen. Grusch ausgestellt sein und aus irgendwelchen schleierhaften Gründen hat Gen. Grusch diese Ermächtigung von Qualtinger jetzt zurückverlangt.
Ich habe den Qualtinger für morgen Samstag zwischen 10 und 12 Uhr in deine Sprechstunde bestellt und ihm ein formloses Brieferl an Dich mitgegeben, wonach ich bitte, ihn dringend vorzulassen. Ich möchte nämlich gerne, dass er nicht durch irgendetwas abgeschreckt, uns wieder aus den Fingern schlüpft.
Falls er morgen nicht bei dir erscheinen sollte, meine ich doch, dass er einfach ausgehoben gehört. Dass ich ihm diese angeblichen Belege von Gen. Steinhardt herausgelockt habe, ist mir mit Katzenfreundlichkeit gelungen, ich habe ihm eingeredet, ihm helfen zu wollen, damit seine Stellung und Aufgabe endlich klar umrissen wird und er weiss, wo und wie er die Sache anpacken soll.

Freiheit!
Unterschrift: Beno

K.P.Ö. Wien VIII.
1 Beilage

Dok. 7

Wien, 29. April 45

Liste der in Betracht kommenden Mitglieder eines Theaters und Kabarets der kommunist. Partei.

Kommissarischer Leiter: Helmuth Qualtinger (K.P.)
Musikalischer Leiter: Kurt Herran (Tscheche)
Regisseur u. künstl. Leiter: Teddy Kern (K.P. früher Femina)
Musiker: Ernst Landl (K.P.), Carlo Dusini (Italiener), Herbert Miteis (K.P. 7), Frank Philip (K.P.), Robert Dull (M. 1), Trix Flesch (M2-K.P.), Erna Rosenbaum (K.P.), C.J. Knafflitsch (K.P.), Jula Koch (K.P.)
(handgeschrieb.) Schauspieler: Gretl Aust, Erika Belstler, Lydia Czerwenka, Ilse Hlawka, Erna Salomon, Else Weidenauer, Erika Spandl, Gretl Philipp, Trudl Zona, Inge Egger, Hilde v. Mikilicz, Ursula von Hutten, Monika Peters, Leonie Sadetzky, Vera Schmidt, Grete Welzel, Erna Goldmann, Gretl Zimmer, Isot Wachsmuth, Liselotte Raab, Hella Berthold, Heli Servi, Fritz Hauck, Jaroslav Tichy, Axel Dierrberg, Frank von Zeska, Herbert Tauchen, Helmut Janatsch, Michael Kehlmann, Franz Steinberg, Erich Lussmann, Hans Eibel, Walter Kohut
Bühnenbild: Gustav von Manker, Karin Wachsmuth

Dok. 8

26. Mai 45

Abteilung: Agitation-Schulung-Presse.

Mel./F.

An den
Chef des Fahndungsdienstes
R. Strobl.

Betrifft: Überstellung des Jugendlichen Helmuth Qualtinger und des Leopold Hofrichter.
8 Anlagen und eine rote Armschleife mit Sowjetstern und gestickter Inschrift „Theater-Kommissar“ (deutsch und russisch).

Wie aus den beiliegenden Akten hervorgeht, hat sich der Jugendliche Helmuth Qualtinger heute bei mir eingefunden. Er gibt an, dass ein Mann namens Hofrichter Leopold, wohnhaft Wien XVIII. Währingerstr. 147, der sich als Freund des Bürgermeisters Steinhardt ihn gegenüber ausgegeben hätte, und auch gesagt hätte, dass er für den Bürgermeister als sein Freund zeichnungsberechtigt sei, ihn beauftragt hätte, ein kommunistisches Theater zu gründen. Ich liess den genannten Hofrichter rufen, der wieder erklärt, Qualtinger sei ein Schwindler, der verhaftet gehöre, allerdings erklärte er, dass die Unterschrift auf Beilage 6 seine eigene sei. Nur wisse er nicht mehr, wieso er dazu gekommen sei, für Bürgermeister Steinhardt zu zeichnen.
Die beiliegende Armschleife, die Qualtinger auf der Strasse getragen haben sol, hat er bei seinem Besuch bei mir in der Rocktasche getragen, sie aber auf Verlangen herausgegeben. Ich habe beide Männer dem Wachkommando Wasagasse 10 übergeben, mit der Bitte, sie unter Überreichung der beiliegenden Akten zum Chef des Fahndungsdienstes Herrn Strobl zu bringen. Ich bitte sehr, den Fall zu untersuchen und wenn es möglich ist, mir nach Abschluß die Originalakten wieder zurückzusenden und die Ergebnisse der Untersuchung mit mitzuteilen.

Gez.
Alice Melber
Abt. f. Agit.Schulung u. Presse d. K.P.Ö.
Stadtleitung Wien.

Nachtrag: Gen. Graf Otto vom Wachkommando Wasagasse gibt mir noch zusätzlich an, dass Qualtinger die in seinem Wehrpass unter Nachträge angeführte Untersuchungshaft von 1 Monat KZ wegen politischen Vergehen als Fälschung zugegeben hätte, nachdem Qualtinger sich vorher bei mir als früher politisch verdächtiger Kommunist eingesperrt gewesen wäre, [bezeichnet hat].

Dok. 9

Wien, den 30. Mai 1945

Bericht an den Genossen Lauscher.

Wie aus den beiliegenden Aktenabschriften hervorgeht, hat Helmut Qualtinger, ein Jugendlicher, sich als russischer Zivilkommissar ausgegeben und behauptet, ermächtigt zu sein, ein kommunistisches Theater zu gründen. (Mitteilung 8. Bezirk).
Da die Adresse des Genannten unbekannt war, ließ ich durch Rundschreiben in den Bezirken anfragen, ob er an irgend einer Stelle gemeldet sei und welche Belege ihm ausgestellt worden wären. Nach Antwortschreiben des 17., Bezirks, Gen. Grusch, war er bei der Gebietsleitung Schumann gemeldet, die letzte Wohnadresse angegeben uns angeführt, dass ihm keine Belege ausgehändigt worden seien.
Durch Zufall kam der 8., Bezirk wieder in Verbindung mit genannten Qualtinger, gab ihm ein Handschreiben an mich mit und schickte mir gleichzeitig eine Liste, die von Qualtinger angelegt worden war, alle in Frage kommenden Mitglieder eines Theaters und Kabaretts der Kommunistischen Partei enthielt und durch einen Mann namens Leopold Hofrichter, mit einer Unterschrift „i.V. Steinhardt“ gezeichnet war. Als sich Qualtinger bei mit einfand, ließ ich durch die Hauswache Hofrichter Leopold hierher rufen und beide zu Gen. Strobl führen.
Sowohl Qualtinger als auch Hofrichter gaben sich für Kommunisten aus, Ersterer hatte in seinem Wehrpaß selbst eine Eintragung vorgenommen, durch die angegeben war, dass er wegen politischen Vergehens zu einem Monat KZ verurteilt gewesen wäre.

Abt. f. Agit. Schul. u. Presse
gez. Melber

Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 1/2002

Quelle: http://www.klahrgesellschaft.at/Mitteilungen/Qualtinger_1_02.html


Tauben vergiften

“Tauben vergiften” ist ein Wiener Walzer, und wie in vielen anderen Kreislerliedern ist die Musik freudig und heiter, während der Text makaber und sarkastisch ist - dieser Gegensatz unterstreicht das Makabre des Liedes noch. Einiges - sowohl musikalisch als auch textlich - ist von Tom Lehrer’s Song “Poisson the Pigeons in the Park” übernommen (obwohl Kreisler nach eigenen Angaben keine Kenntnisse von Lehrer und dessen Liedern hatte, siehe zu diesem Thema diesen Artikel), einiges ist Original Kreisler. Interessanterweise gibt es einen “Professor’s Song” vom Mathematiker Tom Lehrer - vermutlich besteht aber kein Zusammenhang zu Kreislers “Es wird alles wieder gut, Herr Professor”!

Schatz, das Wetter ist wunderschön, 
Da leid ich’s net länger zu Haus! 
Heute muß man ins Grüne gehn, 
In den bunten Frühling hinaus! 
Jeder Bursch und sein Mädel 
Mit einem Freßpaketel 
Sitzen heute im grünen Klee, 
Schatz, ich hab eine Idee!

chau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau, 
Geh mer Tauben vergiften im Park! 
Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau, 
Geh mer Tauben vergiften im Park! 
Wir sitzen zusmam’ in der Laube 
Und a jeder vergiftet a Taube, 
Der Frühling, der dringt bis ins innerste Mark 
Beim Tauben vergiften im Park.

chatz, geh bring das Arsen gschwind her, 
Des tut sich am besten bewährn, 
Streus auf a Graubrot kreuz über quer, 
Nimms Scherzel, des fressens so gern. 
Erst verjag mer die Spatzen, 
Denn die tun eim alles verpatzen, 
So a Spatz ist zu gschwind, der frißt’s Gift auf im Nu, 
Und des arme Tauberl schaut zu.

a, der Frühling, der Frühling, der Frühling ist hier, 
Geh mer Tauben vergiften im Park! 
Kanns geben im Leben ein größres Plaisier 
Als das Tauben vergiften im Park? 
Da Hansel geht gern mit der Mali, 
Denn die Mali, die zahlt’s Zyankali, 
Die Herzen sind schwach und die Liebe ist stark 
Beim Tauben vergiften im Park! 
Nimm für uns was zu naschen 
In der andern Taschen, 
Geh mer Tauben vergiften im Park!

Aug 23, 2010

Radio-Tipp heute auf ORF OE1

Stermann & Grissemann lesen Helmut Qualtingers “Der letzte Revolutionär”, den Monolog eines ungarischen Vielredners

Weitere Infos http://oe1.orf.at/programm/253332

Aug 22, 2010

Cissy Kraner

* 13. Jänner 1918 in Wien
Schauspielerin, Chansonette, Kabarettistin

Gisela Kraner studierte in Wien Gesang und war u. a. im Deutschen Theater und am Raimundtheater als Soubrette engagiert. Danach war sie in der Kleinkunstbühne “ABC” und anderen literarischen Kabaretts tätig, bevor sie als Soubrette nach Scheveningen (Holland) ging und von dort an die “Arena” in Rotterdam engagiert wurde. Nach ihrer Rückkehr nach Wien 1938 probte sie kurz an der Wiener Volksoper, zu einer Aufführung kam es nicht mehr. Kraner wurde für ein Gastspiel der Revuebühne “Femina” in Bogotá engagiert und verließ am 14. Juni 1938 Wien. Nach Ende des Gastspiels “Vamos a Colombia”, indem sie Triumphe feierte, ging sie zusammen mit ihrem späteren Ehemann Hugo Wiener nach Caracas, Venezuela. Kraner schlug sich als Stenotypistin und Verkäuferin durch, eröffnete einen Zigarettenladen und trat gemeinsam mit ihrem Partner als Sängerin in “Wiener Abenden” auf. 1943 heirateten Kraner-Wiener und eröffneten im selben Jahr eine kleine Bar, “Johnny’s Music-Box”, die bald sehr populär war. Dort sang Kraner Chansons ihres Ehemannes in fünf Sprachen (spanisch, englisch, französisch, deutsch, holländisch).

1948 kehrte das Ehepaar nach Wien zurück, wo Kraner noch im selben Jahr für ein Gastspiel auf der Bühne des “Simpl” stand, der zwischen 1950 und 1965 ihr Hauptbetätigungsfeld wurde. Sie trug dort u. a. Chansons ihres Partners Hugo Wiener (der sie auch am Klavier begleitete) vor, die durch ihre einzigartige Interpretation überaus populär wurden, wie “Der Nowak läßt mich nicht verkommen”, “Eine verzwickte Verwandtschaft”, “Ich wünsch’ mir zum Geburtstag einen Vorderzahn”, “Ich kann den Novotny nicht leiden”. Ab 1965 war Kraner vor allem in Rundfunk-, Fernseh-, und Bühnen-Produktionen als Schauspielerin und Sängerin zu sehen. Gemeinsam mit Hugo Wiener gab sie auch weiterhin Chansonabende, trat als Kabarettistin u. a. im “Würfel” (1966/67) und wieder im “Simpl” (1971-1974) auf. Nach dem Tod Hugo Wieners 1993 gastierte Cissy Kraner mit “ihren” Chansons in Begleitung Herbert Prikopas und wirkte weiterhin als Schauspielerin.

Eine Auswahl
Kraner, Cissy, “Aber der Hugo ließ mich nicht verkommen”. Lieder und Erinnerungen. Aufgezeichnet v. Georg Markus. Amalthea, Wien 1994.
Wiener, Hugo, Zeitensprünge. Erinnerungen eines alten Jünglings. Amalthea Vlg., Wien-München o.J.

Eine Auswahl
Kraner, Cissy, Die Welt der Cissy Kraner. Am Flügel: Hugo Wiener. Preiser, 1988. (aufgenommen: Herbst 1971, Juni 1963 & September 1964)
— Das ist eine köstliche Zeit. Neuere Chansons von Hugo Wiener. Preiser.
— Aber der Novak … Turicaphon, Zürich 1996.

DVD
Cissy Kraner / Hugo Wiener / Peter Lodynski, Eine Kabarett-Koalition. Eine Aufzeichnung aus dem Kabarett Simpl, 1988. Kurier Edition, Best of Kabarett, 36. Vertrieb: Hoanzl.


Georg Kreisler

Kreisler, Georg, * 18. 7. 1922 Wien, Komponist, Autor, Kabarettist. Während seiner Emigrationszeit in den USA Komponist für Hollywood-Filme (unter anderem Filmmusik für Charlie Chaplin), Truppenbetreuer für das US-Militär, Auftritte als Chansonnier in New York. 1955 als amerikanischer Staatsbürger Rückkehr nach Wien, 1956-58 leitete er mit G. Bronner das “Intime Theater” (Auftritte mit C. Merz, H. Qualtinger, P. Wehle und L. Martini im Kabarettprogramm “Blattl vorm Mund”). 1958 ging Kreisler mit seiner damaligen Frau und Partnerin T. Küppers nach München, später nach Berlin. Autor zahlreicher Bühnenstücke und Fernsehspiele.

Werke: Liedsammlungen: Zwei alte Tanten tanzen Tango; Nichtarische Arien. - Satiren: Worte ohne Lieder, 1986; Ist Wien überflüssig?, 1987. - Autobiographie: Die alten, die bösen Lieder, 1989. - Romane: Ein Prophet ohne Zukunft, 1990; Der Schattenspringer, 1996. - Satir. Oper: Der Aufstand der Schmetterlinge, 2000.

Literatur: H. Pointner, Schlaglichter auf G. Kreisler, 1993.


Helmut Qualtinger

Qualtinger, Helmut, * 8. 10. 1928 Wien, † 29. 9. 1986 ebenda, Schauspieler, Kabarettist, satirischer Schriftsteller.

Gründete 1946 mit M. Kehlmann die Kabarettgruppe “Studio der Hochschulen”, arbeitete 1946/47 mit C. Merz im Kabarett “Lieber Augustin” zusammen und gestaltete mit G. Bronner, P. Wehle und G. Kreisler die legendären Kabarettprogramme “Brettl vorm Kopf” (1952), “Dachl überm Kopf” (1956) und “Glasl vorm Aug” (1960); Couplets wie “Der g´schupfte Ferdl” oder “Der Papa wird´s schon richten” wurden als Schallplattenaufnahmen ebenso zu Klassikern des Wiener Kabaretts wie die “Travnicek”-Dialoge (mit G. Bronner); größter Erfolg war “Der Herr Karl” (verfasst mit C. Merz, 1961 als TV-Produktion). Neben seiner Tätigkeit als Kabarettist spielte Qualtinger unter anderem am Wiener Volkstheater, wirkte bei Theater-, Film-, Fernseh- und Rundfunkproduktionen als Schauspieler und Autor mit und trug in Lesungen aus Werken wie “Die letzten Tage der Menschheit” von K. Kraus oder “Mein Kampf” von A. Hitler vor; 1986 spielte er neben S. Connery in der Verfilmung von U. Ecos Roman “Der Name der Rose”.

Weitere Werke: Blattl vorm Mund, 1959; Traumwagen aus zweiter Hand, 1961; Alles gerettet, 1963; Die Hinrichtung, 1965; An der lauen Donau, 1965 (alle mit C. Merz). - Das letzte Lokal, 1978; Die rot-weiß-rote Rasse, 1979; Drei Viertel ohne Takt, 1980; Heimat, bist du großer Zwerge, 1984. - Ausgabe: H. Qualtinger, Werkausgabe, herausgegeben von T. Krischke, 5 Bände, 1995-97.

Quelle: AEIOU

Literatur: M. Horowitz, H. Qualtinger, 1987; M. Kehlmann und andere, Der Qualtinger, 1987; A. Kubacek, Der Herr Karl: eine sprachliche Untersuchung, Diplomarbeit, Wien 1989; M. Kehlmann und G. Biron, Der Qualtinger, 1995; G. Wendt, H. Qualtinger, ein Leben, 21999.

Eine Deutsch - Südtiroler Freundschaft

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